Viele Gartenbesitzerinnen und -besitzer greifen zu Netzen, um Obstbäume, Weinreben oder Hühnerausläufe vor Vögeln zu schützen. Doch diese Maßnahme birgt Risiken: Immer wieder verfangen sich Vögel wie Amseln, Stare oder Spatzen in den Netzen. Die Tiere verletzen sich, geraten in Panik und sterben nicht selten durch Erschöpfung oder Strangulation. Auch Igel und andere Kleintiere sind gefährdet, wenn Netze bis zum Boden reichen. Selbst größere Arten wie Eulen und Greifvögel können betroffen sein.
Ein aktueller Fall aus dem Ilm-Kreis zeigt die Problematik: Ein Waldkauz verfing sich in einem feinen, schwarzen Nylonnetz über einem Hühnerauslauf. Erst nach einem Tag wurde er entdeckt und befreit. Das Tier hat sich dabei Verletzungen an Flügel und Bein zugezogen. Derzeit wird er in der Vogelschutzwarte Seebach gepflegt.
Warum passiert das?
Die Hauptursachen sind ungeeignete Netze und unsachgemäße Montage. Locker gespannte, beschädigte oder weitmaschige Netze stellen ein hohes Risiko dar. Dunkle Farben und feine Fäden sind für Tiere schwer erkennbar und erhöhen die Gefahr.
Was kann man dagegen tun?
Doch bevor man Netze einsetzt, lohnt sich die Frage: Sind Netze in diesem Fall wirklich notwendig?
Wenn Netze dennoch gebraucht werden, sollten die folgenden Punkte beachtet werden:
Netze straff spannen und am Boden gut befestigen, damit Tiere nicht hineinkriechen.
Netzemit leuchtenden und auffälligen Farben (nicht schwarz oder dunkelgrün) verwenden – diese sind für Vögel besser sichtbar.
Engmaschige Netze mit maximal 30–40 mm Maschenweite nutzen – sie bieten Schutz und sind weniger riskant.
Netze regelmäßig kontrollieren und nach der Ernte sofort entfernen.
Alternativen ausprobieren: Reflektierende Alustreifen, CDs oder Papiertüten über Früchten können ebenfalls helfen, ohne Tiere zu gefährden.
Wer Tiere schützen und gleichzeitig seine Ernte sichern möchte, sollte also bewusst entscheiden, wie und wann er Netze einsetzt. Mit einfachen Maßnahmen lässt sich viel Tierleid vermeiden. Helfen Sie mit.
Bremsen (Tabanidae) sind bei uns nicht sonderlich beliebt. Sie saugen Blut und Ihre Stiche sind schmerzhaft. Besondere Pferde leiden unter den Bremsen, vor allem wenn sie in größerer Anzahl auftreten.
Deshalb sieht man auf Pferdeweiden immer häufiger sogenannte Bremsenfallen. Diese bestehen aus einem schwarzen Gummiball, über dem ein Trichter bzw. Netz mit einem Fangbehälter angebracht ist. Der Ball erwärmt sich durch Sonnenlicht. Damit soll ein warmer Körper nachgeahmt werden, wie etwa den eines Pferdes. Sobald die angelockten Insekten auf dem Ball landen und wieder nach oben abheben, geraten sie in den Trichter und landen dann im Fangbehälter, wo sie sterben.
Die Fallen sollen eigentlich nur Bremsen fangen, damit die Pferde nicht gestochen werden. Neue Studien zeigen aber: Die Fallen fangen nicht nur Bremsen, sondern auch viele andere Insekten – sogar seltene und geschützte Arten.
Tatsächlich machen auf Basis aktueller wissenschaftlicher Untersuchungen Bremsen nur etwa 4 % der gefangenen Insekten aus. Das heißt: Die Fallen wirken nicht gut gegen Bremsen, aber schaden vielen anderen Insektenarten. Dadurch können sie die Insektenwelt in einem Gebiet stark stören.
Deshalb ist der Einsatz solcher Fallen nach dem Bundesnaturschutzgesetz und der Bundesartenschutzverordnung verboten. Der Einsatz von Bremsenfallen ist daher ab sofort zu unterlassen.
Rechtliche Hinweise:
Nach dem Bundesnaturschutzgesetz (§ 44 Abs. 1 Nr. 1 BNatSchG) ist es verboten, geschützte Tierarten zu fangen, zu verletzen oder zu töten.
Auch die Bundesartenschutzverordnung (§ 4 Abs. 1 Nr. 1 BArtSchV) verbietet den Einsatz von Fallen, wenn dadurch viele Tiere oder auch nicht gezielt Tiere gefangen werden.
1570 Moorfrösche hat die untere Naturschutzbehörde des Ilm-Kreises gemeinsam mit der Natura-2000 Station „Auen, Moore, Feuchtgebiete“ in den vergangenen Tagen ausgewildert: an verschiedenen Stellen im Gehrener Feuchtgebiet, das durch seine Wiesen- und Teichlandschaft gute Lebens- und Laichbedingungen bietet, in der Hoffnung, dass sich die Bestände erholen.
Die stark gefährdete Froschart steht auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tierarten. Sie ist vor allem für ihre blaue Farbe bekannt, mit der Männchen in der Laichzeit die Weibchen zu imponieren versuchen. Das sind meist nur wenige Tage im Jahr, sonst sind sie eher unscheinbar und erinnern mit ihrer Zeichnung eher an Grasfrösche. „Nass brauchen sie es und da liegt der Hase im Pfeffer. Denn der Moorfrosch reagiert besonders stark auf Umweltveränderungen. Nicht umsonst wurde das nur 6 cm große Tierchen zur Amphibie des Jahres 2025 ausgerufen“, erklärt Andreas Mehm, Leiter der UNB des Ilm-Kreises, der sich auch persönlich an der Aufzucht der Frösche beteiligte.
Drei Monate lang hat er sich gemeinsam mit seiner Familie intensiv um den Froschlaich gekümmert, der sich vom Ei über die Quappe bis hin zum kleinen Frosch entwickelt hat. Eine aufwendige Angelegenheit, denn die Temperaturen in den Becken müssen passen. Entwickeln die Quappen ihre Gliedmaßen, müssen sie schnell in ein anderes Becken umgesetzt werden, in dem sie selbständig an Land gehen können, damit aus der Quappe tatsächlich ein Frosch werden kann. Sonst würden sie ertrinken.
Warum diese Mühe? „Die Zahl der Moorfrösche ist stark rückläufig. Lediglich in zwei Teichgebieten im Ilm-Kreis kamen sie bis vor kurzem noch vor. In diesem Jahr fand sich der entsprechende Froschlaich jedoch nur noch an den Sorger Teichen. Das ist alarmierend“, erklärt Andreas Mehm und verweist auf die anhaltende Trockenheit, die auch Auswirkungen auf die Moore, Nass- und Feuchtwiesen hat. „Wenn man so will, ist der Moorfrosch ein kleines Sensibelchen, denn er ist der erste, der auf die veränderten Bedingungen reagiert“, erklärt er. Fischfrei sollten die Gewässer sein, in denen die Moorfrösche laichen. In die Quere kommt den Moorfröschen dabei aber immer wieder auch der Blaubandbärbling. Der Fisch, der in etwa die Größe eines Moderlieschens hat, stammt aus Asien und ist inzwischen das ganze Jahr über auch in vielen Gewässern der Region aktiv. Das und sein großer Appetit sind der Tod für jeden Laichballen der Moorfrösche.
Gern legen die Frösche, die übrigens nicht quaken, sondern eher für blubbernde Geräusche bekannt sind, ihre Eier in bewachsenen Uferbereichen ab, die regelmäßig überflutet werden, aber auch in Tümpeln oder Uferbereichen flacher Seen. Bis zu 3.000 Eier können in einem Laichballen stecken.
Was der Moorfrosch zum Überleben braucht, sind typische Lebensräume wie Moore, Auenlandschaften oder Kleingewässer, die aber immer häufiger durch Entwässerung, Austrocknung oder intensive Landnutzung verloren gehen.
Auf die Frage, was man selbst gegen die Austrocknung von Wiesenflächen tun kann, gibt Andreas Mehm eine ganz einfache Antwort: „Den Rasen im eigenen Garten seltener mähen. Eine Rasenhöhe von 8 bis 10 Zentimetern reicht auch. Boden und Kleinstlebewesen werden es danken. So hält sich Feuchtigkeit besser in den Flächen, was eine Austrocknung verhindert. Und mal ehrlich, was gibt es Schöneres als barfuß über eine Rasenfläche zu laufen, deren Morgentau nicht sofort verdunstet, wenn die Sonne etwas höhersteht?“
Keine Frage – die vielblättrige Stauden-Lupine (Lupinus polyphyllus) istmit ihren auffälligen violetten Blütenständen ein echter Blickfang. Ursprünglich kommt sie aus dem pazifischen Nordamerika und fand um 1826 erstmals als Zierpflanze in England eine neue Heimat. Von da ging es dann weiter nach Deutschland. Neben dem Einsatz als Zierpflanze, wurde die Lupine auch als Zwischensaat in Gehölzpflanzungen und Wildfutter ausgebracht.
So hat es nicht lang gedauert bis die Lupine verwilderte – schon 1890 wurde sie erstmals in Bayern in der freien Natur nachgewiesen. Auch im Ilm-Kreis breitet sich die Art zunehmend aus. Die Lupine ist recht anspruchslos und besiedelt Straßen- Böschungen, Magerrasen, lichte Wälder, feuchte Wiesen und Bergwiesen. Der Schwerpunkt der Verbreitung liegt jedoch auf frischen Standorten der Bergwiesen, so denn auch im Ilm-Kreis.
Als Vertreterin der Schmetterlingsblütengewächse verfügt die Lupine über die Fähigkeit mit Hilfe von Knöllchenbakterien an den Wurzeln Luft-Stickstoff im Boden anzureichern. In der Folge wird der Boden immer nährstoffreicher.
Pflanzen, die an nährstoffarme Böden angepasst sind, haben so keine Chance und werden sukzessive verdrängt. Nährstoffreiche Standorte sind deshalb in der Regel auch artenärmer – meist dominieren wenige stickstoffliebende Pflanzen. Hinzu kommt, dass eine Lupinenpflanze bis zu 2000 Samen bildet, die durch einen Schleudermechanismus bis zu 7m weit befördert werden können. Über diese Strategie können sich rasch Massenbestände etablieren. Die Lupine unterdrückt mit ihrem dichten Wuchs die meisten anderen Arten der Krautschicht. Neben der Anzahl der Pflanzenarten sinkt auch die Insektenvielfalt. Vor allem bei den Tiergruppen Käfer, Ameisen und Schmetterlinge nimmt die Arten- und Individuenzahl in Lupinenbeständen ab. Dies wiederum bedeutet weniger Nahrung für insektenfressende Tiere, wie z. B. den Wiesenpieper (Anthus pratensis). Die teils dichten Bestände der Lupine sind zudem als Lebensraum für bodenbrütende Vögel ungeeignet, da die Nester überwuchert werden.
Unsere wertvollen Bergwiesen sind durch eine extensive Nutzung, d. h. späte ein- bis maximal zweischürige Mahd oder Beweidung mit wenigen Tieren entstanden. Durch diese traditionell extensive Nutzung entstanden nährstoffarme und damit artenreiche Wiesen. Auf den mageren Standorten finden sich v. a. die Echte Arnika (Arnika montana), Ährige Teufelskralle (Phyteuma spicatum) und Perücken-Flockenblume (Centaurea pseudophrygia). Die Bärwurzwiese, mit der namensgebenden Bärwurz (Meum athamanticum) bzw. die artenreichen und farbenprächtigen Goldhaferwiesen sind dagegen etwas nährstoffreicher. Das Heu der Wiesen dient bis heute als Viehfutter und ist begehrt. Die Lupine mindert jedoch die Heuqualität, denn viele Tiere meiden dieses Heu.
Bergwiesen besitzen einen sehr vielseitigen Blühaspekt und bieten darum vielen unterschiedlichen Insekten eine wichtige Nahrungsgrundlage. Die Braunschuppige Sandbiene (Andrena curvungula) hat sich z. B. auf die Ährige Teufelskralle und Glockenblumen spezialisiert und kann ohne ihre Nahrungspflanzen nicht überleben. Diese Wildbienenart ist in Thüringen gefährdet und daher auf einen intakten Lebensraum angewiesen.
Im Auftrag der unteren Naturschutzbehörde werden aktuell an verschiedenen Orten Lupinenbestände mechanisch beseitigt. Insbesondere dann, wenn die Lupine innerhalb oder in direkter Nachbarschaft zu besonders geschützten Biotopen oder Schutzgebieten wächst und ihre weitere Ausbreitung die Lebensräume von seltenen Pflanzen und/oder Tieren bedroht. Wie z. B. auf der ehemaligen Deponie in Altenfeld, die sich in direkter Nähe zu mehreren, teils orchideenreiche Bergwiesen befindet. Damit es auf diesen Flächen nicht zu Massenbeständen der Lupine und Nährstoffanreicherung kommt, werden die Flächen noch vor der Samenreife gemäht.
Wenn Sie Fragen haben zu invasiven Arten, können Sie sich an Herrn Moritz Brinkel, untere Naturschutzbehörde, 03628 – 738 674 oder E-Mail m.brinkel@ilm-kreis.de
Lupinen auf der ehemaligen Deponie Altenfeld (Foto: UNB Ilm-Kreis, 2025)
Pressemitteilung der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft 1822 e.V. und der Gartenakademien
Der Frühling hält endlich Einzug, der Rasen beginnt zu wachsen und die Deutsche Gartenbau-Gesellschaft 1822 e.V. (DGG) ruft auch im Jahr 2025 wieder zur Teilnahme an der erfolgreichen Aktion „Mähfreier Mai“ auf! Alle Gartenfreundinnen und Gartenfreunde, Kitas, Schulen, Kommunen und Unternehmen sind eingeladen, ihre Rasenflächen einen Monat lang nicht zu mähen und so einen wertvollen Beitrag zum Schutz der Artenvielfalt und zur Verbesserung des Mikroklimas zu leisten.
Die Aktion „No Mow May“ wurde schon vor Jahren in Großbritannien, dem „Mutterland“ des englischen Rasens eingeführt und von der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft 1822 e.V. und der Gartenakademie Rheinland-Pfalz nach Deutschland gebracht. DGG-Präsident Karsten Möring betont: „Gut 75 % der Haushalte in Deutschland haben einen Garten und nicht selten macht der Rasen einen großen Teil dieser Fläche aus, also viel Potential um bei dieser Aktion mitzumachen. Darüber hinaus bieten Rasenflächen, z.B. auf Firmengeländen, in Schrebergärten oder im Straßenland vielfältige Möglichkeiten.“
Um den starken Rückgang von Wildpflanzen und Insekten in Gärten und Landschaft aufzuhalten, kann eine andere Mähweise einen wertvollen Beitrag für die Artenvielfalt an Pflanzen und Insekten leisten. Somit kann man durch gezieltes Nichtstun etwas für die Insekten erreichen. Darüber hinaus kann jeder im eigenen Garten aktiv mit dazu beitragen, die Vielfalt von Blüten und ihren Bestäubern wieder zu erhöhen. Auf in längeren Abständen gemähten Flächen entsteht neben den Gräsern eine größere Artenvielfalt mit höheren Wiesenblumen, wie z.B. Wiesen-Margeriten, Wiesen-Salbei und Wilde Möhre. „Also warum nicht mal statt klassischem Rasen einfach eine Blumenwiese oder einen Blumenrasen anlegen?“
Eine vielfältigere Vegetation verbessert zudem die Bodenqualität, erhöht die Wasserspeicherung und schafft Lebensraum für viele kleine Lebewesen. Studien zeigen, dass selbst kleine ungemähte Flächen einen messbaren Unterschied für die Biodiversität bewirken können.
Machen Sie jetzt mit bei der Aktion “Mähfreier Mai”! Lassen Sie ab dem 1. Mai ihren Rasen wachsen! Ab dem 22.05.2025 (Internationaler Tag der Artenvielfalt) markieren Sie einen Quadratmeter auf Ihrer Rasenfläche. Wichtig ist, dass die Stelle zufällig ausgewählt wird, z.B. indem Sie einfach einen Ball über Ihre Schulter werfen und schauen, wo er landet. Hier zählen Sie alle vorkommenden Blüten und tragen sie in die vorgefertigte Tabelle ein.
Senden Sie uns Ihre Zähl-Ergebnisse und Bilder der neuen Blühflächen bis zum 31. Mai 2025 an gartenakademie@dlr.rlp.de
Die 25 Einsender*innen der artenreichsten Wiesenbilder erhalten von der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft 1822 e. V. als Dankeschön ein Samenpäckchen mit einer heimischen Wildblütenmischung aus dem bundesweiten Projekt „Tausende Gärten – Tausende Arten“. Die drei besten Zählergebnisse möglichst unterschiedlicher Arten werden zudem mit einem Sonderpreis belohnt.
Zusätzlich können die Fotos auch auf Instagram mit dem Hashtag #maehfreiermai gepostet werden. Für die besten drei Einreichungen mit den artenreichsten Wiesenbildern winkt von der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft 1822 e.V. als Dankeschön ein attraktives Gartenfachbuch und heimische Saatgutmischungen aus dem bundesweiten Projekt „Tausende Gärten – Tausende Arten“.
Langsam wird es ruhiger und leiser in der Natur. In den Städten sind die Rufe der Mauersegler verklungen. Sie sind schon im August in ihre afrikanischen Winterquartiere gezogen. Mit ihren langen, schmalen Schwingen erreichen Mauersegler Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 200 km pro Stunde – Sie sind perfekt an das Fliegen angepasst. Fast alles erledigen sie im Flug: Essen, Trinken, Baden, Schlafen und Paaren. Nur zum Brüten brauchen Mauersegler festen Grund unter den winzigen Füßen. Versteckt in Spalten und kleinen Hohlräumen an Gebäuden, meist unbemerkt von ihren menschlichen Mitbewohnern, ziehen sie eine Brut groß. Geeignete Brutplätze werden jedes Jahr wieder genutzt. Daher sind die Brutplätze auch gesetzlich geschützt und dürfen nicht beseitigt oder die Zugänge versperrt werden. Sollten insbesondere bei Dachsanierungen der Verdacht auf Mauerseglerbrutplätze bestehen bzw. bei Arbeiten Brutplätze vorgefunden werden, wenden Sie sich umgehend an die untere Naturschutzbehörde.
Etwas länger bleiben unsere Schwalben. Im Spätsommer, nach der Brutzeit, sammeln sich Schwalben oft in großen Scharen auf Leitungsdrähten oder Dächern und der zwitschernde Chor ist weithin zu hören. Dann dauert es meist nicht mehr lange und sie machen sich auf den langen Weg in ihre Winterquartiere, die sich von den ostafrikanischen Savannengebieten bis nach Südafrika erstrecken. Zurück bleiben nur die kunstvollen Lehmnester von Mehl- und Rauchschwalbe. 700 bis 1.500 Lehmkügelchen verbauen die Schwalben für ihre Nester – viel Arbeit. Doch die Nester werden viele Jahre genutzt. So reparieren die Schwalben nach ihrer Ankunft im Frühjahr zuerst ihre Nester. Wenn das Nest abgefallen ist oder gar zerstört wurde, werden die Schwalben versuchen am selben Standort ein neues zu bauen. Denn Schwalben sind brutplatztreu. Das ist auch der Grund, warum die Nester unter Naturschutz stehen, auch wenn die Tiere in ihren Winterquartieren sind und die Nester nicht nutzen.
Sie können die fleißigen Häuslebauer im nächsten Jahr gern unterstützen, indem Sie eine flache Schale mit einem Gemisch aus Lehm und Strohhäcksel, dass stets feucht gehalten wird, nicht weiter als 300 m vom Brutplatz der Mehl- und Rauchschwalben aufstellen. Die Schale sollte nicht zu weit entfernt sein, ansonsten trocknet der Lehm unterwegs aus und die Tiere können ihn dann schlecht verbauen.
Nicht alle Vögel ziehen in den Süden, etliche verbringen den Winter auch bei uns. Einige, wie Blau- und Kohlmeise, Rotkehlchen, Buchfink lassen sich dann am Futterhäuschen beobachten. Die kalten Nächte verbringen sie meist in dichten Gebüschen, Hecken oder Höhlen, auch Nistkästen werden gerne zum Übernachten genutzt.
Wenn Sie die jährliche Reinigung Ihrer Nistkästen im Spätsommer verpasst haben, warten Sie deshalb lieber bis zum nächsten Frühjahr. So stören Sie keine Meise oder gar eine Haselmaus, die es sich im Kasten gemütlich gemacht hat. Aus diesem Grund können Sie auch schon im Herbst neue Nistkästen im Garten aufhängen, so schaffen Sie ein zusätzliches Angebot an Höhlungen für Ihre Wintergäste.
Ein Garten mit einer schönen dichten Hecke, einigen beerentragenden Gehölzen (Weißdorn, Vogelbeere, Kornelkirsche, etc.), viele nicht geschnittenen Samenstände von Stauden und kleine Laubhaufen als Verstecke für überwinternde Insekten ist daher ein Paradies für so manchen Wintervogel. So können Sie mit einem vogelfreundlichen Garten nicht nur Grünfink, Stieglitz, Zaunkönig, Feldsperling über die kalte und nahrungsarme Zeit helfen.
Hornissen sind beeindruckend: Sie sind bis zu 4 cm groß und Brummen laut. Auf viele Menschen wirken sie gefährlich. Kaum ein Insekt hat mit so vielen negativen Vorurteilen zu kämpfen wie die Hornissen. Nur wenige wissen, wie nützlich Hornissen für den Menschen sind. Ein kleineres Hornissenvolk vertilgt pro Tag etwa ein ½ kg Insekten, u. a. Wespen, Fliegen und Mücken. Damit leisten sie einen wertvollen Beitrag zur biologischen Schädlingsbekämpfung. Kuchen und süße Limonaden stehen nicht auf der Speisekarte von Hornissen. Daher werden Hornissen auch keine Kaffeetafel besuchen, das überlassen sie ihren kleineren Verwandten der Deutschen Wespe und der Gemeinen Wespe. Auch die alte Mär „Drei Hornissenstiche töten einen Menschen, sieben ein Pferd“ sind schlichtweg falsch. Ihr Stich ist etwas schmerzhafter als ein Wespenstich, weil sie einen wesentlich größeren Stachel besitzen, aber nicht aufgrund des Gifts. Nur für Allergiker sind Hornissenstiche gefährlich. Allerdings sind Hornissen sehr friedfertige Tiere, sodass selten Menschen gestochen werden. Die Tiere sind nicht gefährlich, wenn man sich richtig verhält.
Diese fünf Verhaltensregeln sollten beim Umgang mit Hornissen beachtet werden:
Nicht die Flugbahn versperren,
nicht ins Nest hineinatmen bzw. die Tiere direkt anpusten,
den Nestbereich beachten (am besten in Ruhe lassen),
keine Erschütterungen am/im Nest auslösen und
langsame Bewegungen.
Hornissen besiedeln neben Baumhöhlungen auch Hohlräume in und an Häusern, z. B. Rollladenkästen, Dachböden und Zwischendecken. Im Sommer kann der Hornissenstaat auf mehrere hundert Tiere anwachsen. Das ist oft der Zeitpunkt, wann die Menschen auf ihre tierischen Untermieter aufmerksam werden. Da Hornissen gesetzlich besonders geschützt sind, ist es verboten, ihre Staaten ohne Ausnahme bzw. Befreiung von der unteren Naturschutzbehörde zu zerstören oder umzusiedeln. Die Ausnahme/Befreiung wird nur im Einzelfall, wenn triftige Gründe vorliegen, gewährt.
Befindet sich das Nest an einer kritischen Stellen, kontaktieren Sie daher bitte die untere Naturschutzbehörde des Ilm-Kreises: Ulrike Nüßler, 03628 738 676, u.nuessler@ilm-kreis.de.
In den meisten Fällen wird ein Vorort-Termin vereinbart, um zu prüfen, ob eine Umsiedlung oder Entfernung des Nestes notwendig ist. Wichtig: Die Ausnahme bzw. Befreiung der UNB ist kostenpflichtig. Auch die Kosten für die jeweilige Umsiedlung oder Beseitigung eines Hornissennestes sind vom Antragsteller bzw. von der Antragstellerin zu tragen.
Weiterführende Informationen zu Hornissen und Wespen
Es ist schon erstaunlich, dass unsere Mehl- und Rauchschwalben nach der langen Reise aus ihren Winterquartieren südlich der Sahara stets zielgenau zu ihren angestammten Brutplätzen zurückfinden. Als Nesttreue Vogelart geben sie das Nest des Vorjahres nicht auf, sondern bessern Beschädigungen aus und nutzen es erneut zur Jungenaufzucht. Circa 2.000 Lehmkügelchen sammelt und verbaut ein Schwalbenpaar für sein Nest und selbst stark beschädigte Nester werden mühevoll „restauriert“. Während Mehlschwalben ihre kunstvollen Nester unter Dachüberständen an Hauswände bauen, nutzen Rauchschwalben bevorzugt Nistplätze innerhalb von Gebäuden wie Stallungen, Scheunen und Garagen. Rauch und Mehlschwalben sind in den letzten Jahrzehnten immer seltener geworden. Infolge der zunehmenden Versiegelung gibt es immer weniger Lehmpfützen für den Nestbau. Weiterhin fehlt es an Insekten als Nahrung und geeigneten Nistplätzen. Ein großes Problem ist auch das Zerstören von Schwalbennestern bei Sanierungsarbeiten oder weil der Schwalbenkot stört. Egal ob es aus Unwissenheit oder mit Absicht geschieht: Das Zerstören oder Beschädigen von Schwalbennestern ist gesetzlich verboten. Unsere heimischen Schwalbenarten sind nach dem Bundesnaturschutz besonders geschützt. Es ist verboten, Schwalben nachzustellen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten. Sie dürfen nicht erheblich gestört und ihre Fortpflanzungs- und Ruhestätten dürfen nicht aus der Natur entnommen, beschädigt oder zerstört werden. Selbst wenn Nester unbewohnt scheinen oder nahezu unbrauchbar aussehen, dürfen diese nicht ohne Ausnahmegenehmigung oder Befreiung der unteren Naturschutzbehörde entfernt werden. Für die Beseitigung von Schwalbennestern müssen triftige Gründe vorliegen. Die Verschmutzung der Fassade durch Kot oder Nistmaterialstellt im Regelfall keinen Beseitigungsgrund dar! In den meisten Fällen lässt sich die Verschmutzung durch das Anbringen von sogenannten Kotbrettern, die mit einem Abstand von mindestens 40 Zentimetern unterhalb der Nester angebracht werden, verhindern.
Der Bestand unserer Schwalben ist den letzten Jahren stark zurückgegangen, umso mehr brauchen sie unseren Schutz. Sie können zum Bespiele helfen, indem Sie ihren Garten insektenfreundlich bewirtschaften, eine Lehmpfütze anlegen oder Kunstnester an geeigneten Standorten anbringen.
Wenn Sie Fragen zum Schutz von Schwalben haben, kontaktieren Sie bitte Ulrike Nüßler, untere Naturschutzbehörde, Telefon 03628/ 738 676, u.nuessler@ilm-kreis.de
In manchen Regionen von Thüringen konnte man bis vor kurzem noch ein besonderes Naturschauspiel erleben – den Herbstzug der Kraniche. Leicht zu erkennen an ihren nasalen Trompetenrufen und der typischen V-Formation zogen unzählige Kraniche zu ihren Winterquartieren in Südwesteuropa und Nordafrika. Kraniche gehören, wie Mauersegler, Mehlschwalben, Weißstörche und einige weitere Arten zu den Zugvögeln, die den Winter in wärmeren Regionen verbringen und erst im Frühjahr zu ihren Brutplätzen zurückkehren.
Doch nicht alle Vögel ziehen davon, etliche bleiben hier und haben Strategien entwickelt, um die kalte und nahrungsarme Winterzeit zu überleben. Vögel sind gleichwarme Tieren, das heißt sie müssen ihre Körpertemperatur, die zwischen 38 und 42 Grad Celsius liegt, aufrechterhalten, um nicht zu erfrieren. Deshalb suchen sie zum Ausruhen und Schlafen ein geschütztes Plätzchen, je nach Vorliebe im Gebüsch, am Baum, in einer Baumhöhle oder auch in einem Nistkasten. Dort Plustern sie sich auf, so dass sie wie kleine Federnkugeln aussehen. Zwischen den gut aufgeplusterten Federn entstehen kleine Luftpolster, die isolierend wirken und vor dem Verlust der kostbaren Körperwärme schützen. Manche Vögel, wie der Zaunkönig, übernachten auch gern in Gruppen, um sich gegenseitig zu wärmen und so Energie zu sparen.
Fledermäuse, Siebenschläfer, Haselmäuse und Igel fressen sich im Spätsommer und Herbst, sofern es genug Nahrung gibt, eine dicke Speckschicht für den Winter an. Dann ziehen sie sich in gut geschützte und frostsichere Verstecke zurück, um Winterschlaf zu halten. Dafür werden alle Körperfunktionen auf ein Minimum reduziert: Der Herzschlaf verringert sich auf wenige Schläge in der Minute. Auch die Atmung ist kaum noch zu spüren und der Stoffwechsel kommt fast vollständig zum Erliegen. Ein Leben auf Sparflamme. In diesen Zustand können die Tiere allein von ihren Fettreserven zehrend mehrere Monate lang überleben. Nur gestört werden sollten sie nicht, da jedes Aufwachen lebenswichtige Energie verbraucht und zum Tod der Winterschläfer führen kann.
Andere Tiere, wie Eichhörnchen, Dachse und Biber verkriechen sich auch, fallen aber nicht in einen Winterschlaf. Sie halten Winterruhe. Dabei werden Herzschlag und Atmung merklich reduziert, aber nicht so stark wie bei winterschlafenden Tieren. Auch wachen die Tiere zwischendurch immer wieder auf, um zu fressen oder Stoffwechselprodukte auszuscheiden. Eichhörnchen und Biber legen sich zusätzlich oft noch einen Wintervorrat an, um über die karge Zeit zu kommen.
Säugetiere besitzen noch eine weitere Anpassung: Sie wechseln ihr Fell für den Winter. Das sogenannte Winterfell besitzt zahlreiche gekräuselte Wollhaare, die helfen Luftpolster am Körper zu bilden und so den raschen Wärmeverlust verhindern.
Einige Säuger halten weder eine Winterruhe noch Winterschlaf und müssen auf Nahrungssuche gehen. Besonders hart ist es für unsere Pflanzenfresser wie Reh, Rotwild, Hase und Kaninchen. Denn vor allem wenn eine Schnee- oder Eisschicht das Land überzieht, ist frisches Grün selten. In diesen Zeiten wird vermehrt an frischer Rinde und Knospen geknabbert. Doch je kälter es wird, desto weniger bewegt sich beispielsweise das Rotwild. Zudem schrumpfen die Verdauungsorgane des Rotwilds im Winter erheblich.
Dank der geschrumpften Organe sparen die Tiere einiges an Energie ein und können trotz geringeren Nahrungsangebot überleben.
Wechselwarme Tiere, wie Reptilien, Amphibien und Insekten verfallen bei sinkenden Temperaturen in eine sogenannte Kältestarre. Diese ähnelt dem Winterschlaf, so sinken Herzschlag und Atemfrequenz stark ab. In der Winterstarre können die Tiere auch Temperaturen unter null Grad Celsius überleben. Ihr Geheimnis: Sie lagern vermehrt Glukose in ihren Körperflüssigkeiten ein. Die Erhöhung der Glukosekonzentration wirkt wie ein Frostschutzmittel und verhindert das Einfrieren der Körperflüssigkeiten. Aus ihrer Starre erwachen die Tiere jedoch erst wieder, wenn es draußen wärmer wird und der Frühling zurückkehrt.
Alle Anpassungen zielen darauf ab, möglichst viel Energie zu sparen. Dies ist für unsere Wildtiere überlebenswichtig.
Sie können helfen, indem Sie bei Ihren Winterspaziergängen umsichtig sind, ihren Hund anleinen und keine Tiere, wie Rehe, Vögel, etc. aufschrecken.
Lassen Sie im Garten alle Laub-, Ast- und Komposthaufen bis zum Frühjahr in Ruhe, damit nicht versehentlich z. B. ein Igel aus dem Winterschlaf gerissen wird. Nistkästen bitte auch erst im Frühjahr reinigen, um nicht eine Haselmaus oder Siebenschläfer zu wecken. Des Weiteren können Sie auch einige Vögel, wie Blaumeisen, Amseln, Rotkehlchen und Spatzen, durch eine Winterfütterung unterstützen. Auch das Belassen von Früchten und Samenständen im Garten hilft den Tieren.
Der Dachverband Deutscher Avifaunisten e.V. (DDA), der Deutsche Verband für Landschaftspflege e.V. (DVL), die Abteilung Naturschutzbiologie der Georg-August-Universität Göttingen und 12 weitere Projektpartner haben sich in dem bundesweiten Verbundprojekt „Rebhuhn retten – Vielfalt fördern!“ zusammengeschlossen, um das Rebhuhn zu schützen und gleichzeitig die Vielfalt in der Agrarlandschaft zu auszubauen.
Das im Bundesprogramm für Biologische Vielfalt durchgeführte Projekt hat das Ziel langfristig gesicherte Rebhuhnbestände im Projektgebiet zu schaffen und die Artenvielfalt in der Agrarlandschaft durch die Aufwertung von Lebensräumen dauerhaft zu fördern.
Insgesamt sollen auf sieben Prozent der Ackerfläche des Projektgebietes Lebensräume, Brutmöglichkeiten und Nahrungshabitate für das Rebhuhn geschaffen bzw. aufgewertet werden. Auch andere Arten können von den Maßnahmen profitieren, was sich positiv auf die Artenvielfalt der Agrarlandschaft auswirkt. Parallel zur Maßnahmenumsetzung wird durch ein flächendeckendes Monitoring die Rebhuhndichte im Projektgebiet dokumentiert, wodurch die Effektivität der Maßnahmen untersucht wird.
Die Projektregion in Thüringen umfasst im Wesentlichen den zentralen Bereich der Thüringer Ackerhügelländer. Das Gebiet erstreckt sich über den östlichen Bereich des Unstrut- Hainich Kreises, den nördlichen Teil des Landkreis Gotha, die westlichen und nördlichen Randbereiche der Landeshauptstadt Erfurt und zieht sich als Band durch Sömmerda und das Weimarer Land. Somit befindet es sich im südlichen Teil des Thüringer Beckens rund um Erfurt. Die lokalen Projektpartner in Thüringen sind die Natura 2000 – Station Gotha/Ilm-Kreis, der Landschaftspflegeverband Mittelthüringen e.V. und die Stiftung Lebensraum Thüringen e.V.
Das Kerngebiet Gotha, welches die Natura 2000-Station Gotha/Ilm-Kreis betreut, ist ca. 61 km2 groß und befindet sich im nordöstlichen Teil des Landkreises Gotha sowie im westlichen Bereich der Stadt Erfurt. In dieser Kernregion wurde die höchste Rebhuhndichte im Monitoringgebiet Gotha/Ilm-Kreis 2022 nachgewiesen. Daher sollen primär Maßnahmenumsetzungen in diesem Gebiet stattfinden.