Teilnehmende des 7. Naturschutztages bei der Kaffeepause im Foyer des Röntgenbaus der TU Ilmenau

Rund 80 naturbegeisterte Menschen aus dem Ilm-Kreis und darüber hinaus kamen zum 7. Naturschutztag zusammen. Die Vertreterinnen und Vertreter aus Vereinen, Behörden, Wissenschaft und Ehrenamt nutzten die Gelegenheit, sich über aktuelle Entwicklungen, Projekte und Herausforderungen im Naturschutz auszutauschen.

Eröffnet wurde die Veranstaltung durch die 2. Beigeordnete Sandra Heißner vom Landratsamt Ilm-Kreis. In ihrem Grußwort unterstrich sie die große Bedeutung von Natur- und Umweltschutz in der Region und sprach insbesondere den zahlreichen Ehrenamtlichen ihren Dank aus, deren Engagement eine tragende Säule der praktischen Naturschutzarbeit darstellt.

Im Anschluss sprach Jens Müller, Vizepräsident für Internationale Beziehungen und Transfer der TU Ilmenau. Er betonte den hohen Stellenwert von Nachhaltigkeit und Biodiversität an der Universität – sichtbar in Studiengängen, Forschungsprojekten und praktischen Initiativen. Anhand konkreter Beispiele zeigte er, wie eng Wissenschaft und Naturschutz zusammenwirken.

Einen umfassenden Einblick in die Arbeit der Natura 2000-Station Gotha/Ilm-Kreis gab deren Leiterin Claudia Müller. Sie stellte zentrale Projekte vor, darunter große, durch das Bundesamt für Naturschutz geförderte Vorhaben wie „VIA Natura 2000 – Vernetzung für Insekten in der Agrarlandschaft zwischen Natura 2000-Gebieten in Thüringen“, „Weidewohne“ und „Rebhuhn retten – Vielfalt fördern“. Ergänzend wurden ENL-Projekte zur Aufwertung von Natura-2000-Gebieten erläutert, etwa am Wipfragrund-Stausee Heyda. Zudem informierte sie über den aktuellen Stand des geplanten Landschaftspflegehofes, dessen Organisationsstruktur sowie den Umzug in neue Räumlichkeiten nach Ichtershausen. Die Einrichtung des Landschaftspflegehof ist ein wichtiger Baustein, um Pflegemaßnahmen effizient zu bündeln und langfristig die Kulturlandschaft im Ilm-Kreis zu erhalten.

Andreas Mehm, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde, gab einen umfassenden Überblick über die Entwicklungen des vergangenen Jahres. Ein besonderes Highlight war die Ausweisung des Geschützten Landschaftsbestandteils (GLB) Thiele-Moor, das zuvor als Flächennaturdenkmal (FND) bestand – gewidmet Andreas Thiele, der zunächst als Kreisnaturschutzbeauftragter und später als Leiter der Unteren Naturschutzbehörde die Naturschutzarbeit nachhaltig geprägt hat.

Darüber hinaus wurden rund 60.000 Euro an Eigenmitteln für die Pflege von Schutzgebieten und Baumdenkmalen eingesetzt.

Im Bereich Amphibienschutz wurden neue Wege beschritten: So konnte durch die Zusammenarbeit mit dem Marienstift Arnstadt der Aufbau mobiler Krötenzäune in Rippersroda, Angelroda und Altenfeld abgesichert werden, während in Manebach die Verantwortung an die Stadt Ilmenau überging. An der Oehrenstocker Landstraße in Ilmenau wurde eine weitere feste Amphibienschutzanlage in Betrieb genommen. Besonders hervorgehoben wurde die unverzichtbare Unterstützung durch ehrenamtliche Helferinnen und Helfer bei der Betreuung der mobilen Krötenzäune. Auch zum Thema Biber gab es Einblicke: Die Population wächst weiter und die Reviere verdichten sich, was sich auch an der Zahl der Verkehrsopfer ablesen lässt. Allein im vergangenen Jahr verendeten sieben Tiere im Straßenverkehr. Besorgniserregend sind zudem Straftaten gegen streng geschützte Arten, darunter die illegale Tötung des Leitwolfes aus dem Neustädter Rudel, eines Bibers sowie eines Sperbers. Alle Fälle wurden zur Anzeige gebracht.

Innovative Ansätze im Naturschutz stellte Marco Seeland von der TU Ilmenau vor. Unter dem Titel „Artenschutz in der Hosentasche“ zeigte er, wie Künstliche Intelligenz und Citizen Science das Biodiversitätsmonitoring verändern. Er erläuterte Funktionsweisen, Chancen und Herausforderungen solcher Systeme und stellte Projekte wie Flora Incognita und BeesUp vor. Die gewonnenen Daten liefern wertvolle Erkenntnisse, etwa zur Verschiebung von Blühzeiten und daraus resultierenden Mismatch zwischen Pflanzen und Bestäubern.

Erwin Schmidt vom LBV Mittelthüringen e. V. berichtete über Erfahrungen mit sogenannten produktionsintegrierten Kompensationsmaßnahmen (PIK), einem Ansatz, bei den Naturschutz-maßnahmen direkt in landwirtschaftliche Nutzung eingegliedert werden. Am Beispiel der Segetalflora im Landkreis Sömmerda erläuterte er, wie bedrohte Ackerwildkräuter geschützt werden können. Bemerkenswert ist dabei der Aufbau einer Diasporenbank, bei der im Boden innerhalb weniger Jahre Samen langfristig gespeichert werden können.

Thomas Meineke von der Biologischen Landeserkundung präsentierte die Langzeituntersuchung im Naturschutzgebiet Jonastal. Jährlich werden etwa 50–60 % der Tiere dabei erfasst. Besonders im Fokus stehen die Rotflüglige Ödlandschrecke und die Rotflüglige Schnarrenschrecke, deren Lebensräume trocken, warm und vegetationsarm sein müssen – Bedingungen, die durch Nutzungsänderungen zunehmend gefährdet sind.

Mit großer Anschaulichkeit schilderte Sybille Huck das erste Jahr der Moorfroschaufzuchtstation. Sie zeigte nochmals die dramatische Bestandssituation im Gebiet auf und erläuterte die täglichen Herausforderungen in der Aufzuchtstation wie Frostnächte, Beckenpflege, unterschiedliche Entwicklungsstadien und Fütterung. Aus nur 11 entnommenen Laichballen entwickelten sich über 4000 Kaulquappen. Ein Großteil davon, wurde im fortgeschrittenen Quappenstadium wieder ausgewildert. Ein Teil der Kaulquappen verblieb in der Station und wuchs zu gut 1500 Jungfröschen heran, die Ende Juni 2025 in die Freiheit entlassen wurden. Auch die Umweltbildung spielt eine wachsende Rolle – so wird in diesem Jahr eine Moorfrosch-AG mit Kindern der Grundschule Gehren starten.

Das ENL-Projekt „1001 Teich(e)“ wurde von Steffen Lehmann von der Natura 2000-Station Auen, Moore, Feuchtgebiete vorgestellt. Ziel ist die ökologische Aufwertung der Moorfroschhabitate in den Pennewitzer und Plothener Teichgebieten. Denn neben der Unterstützung der Moorfroschaufzucht liegt der Schwerpunkt auf der Verbesserung von Laichgewässern und Sommerlebensräumen. Dabei wurde deutlich: Die Aufzuchtstation ist nur eine Übergangslösung – langfristig müssen stabile Populationen in der Natur gesichert werden.

Martin Biedermann von NACHTaktiv präsentierte faszinierende Ergebnisse aus dem Nationalen Artenschutzprogramm zum Kleinen Abendsegler. Im Rahmen eines Bundesprojektes konnten erstmals detaillierte Daten zur Migration des Kleinen Abendseglers erhoben werden. Insgesamt wurden 158 Tiere besendert, einige davon aus dem Kastengebiet bei Lehmannsbrück. Eindrucksvoll war die dokumentierte Flugleistung eines Tieres, das in nur einer Nacht rund 380 Kilometer bis zum Bodensee zurücklegte. Gleichzeitig werfen die Ergebnisse neue Fragen auf, etwa nach geeigneten Rastplätzen oder dem Flugverhalten im Alpenraum.

Als Abschluss folgte der bildgewaltige Multivisionsvortrag „Naturschätze Thüringens“ von Wolfgang Hock. Mit beeindruckenden Aufnahmen gewährte er Einblicke in die Jungenaufzucht der Spechte, das Leben des Feldhamsters und viele weitere Naturjuwelen Thüringens gab. Der Vortrag erinnerte eindrucksvoll daran, wie wertvoll und schützenswert die Natur vor unserer Haustür ist.

Auch die Pausen wurden intensiv für Gespräche und Vernetzung genutzt. Für das leibliche Wohl sorgte die Keferküche mit saisonalen Speisen in Bioqualität.

Wir freuen uns darauf, Sie im nächsten Jahr zum 8. Naturschutztag begrüßen zu dürfen.

Programm

9:15 Uhr

Grußwort

2. Beigeordnete Sandra Heißner
Landratsamt Ilm-Kreis

9:30 Uhr

Grußwort

Vizepräsidenten für Internationale Beziehungen und Transfer Jens Müller
TU Ilmenau

9:45 Uhr

Naturschutzarbeit der Natura 2000-Station Gotha/Ilm-Kreis

10:15 Uhr

Naturschutzarbeit im Ilm-Kreis

Andreas Mehm
Untere Naturschutzbehörde

10:15 bis 10:45 Uhr Pause

10:45 Uhr

Artenschutz in der Hosentasche: Wie KI und Citizien Science das Biodiversitätsmonitoring verändern

Marco Seeland
TU Ilmenau

11:30 Uhr

Erfahrungen mit der PiK im Zusammenhang mit Schutzmaßnahmen für seltene Arten der Segetalflora im Landkreis Sömmerda

12:15 Uhr

Langzeiterfassung der Ödlandschrecken am Bienstein im Naturschutzgebiet Jonastal

13:00 bis 14:00 Uhr Pause

14:00 Uhr

Löwenzahn zum Frühstück:
Über die Moorfroschaufzuchtstation
„Pennewitzer Teiche“

14:30 Uhr

1001 Teich(e) – Vorstellung des ENL-Projektes zur Teichgebietsentwicklung in Pennewitz & Plothen

15:00 Uhr

Kleiner Abendsegler: Von Thüringen… „in die Welt“- Einblicke in das Bundesprojekt zu einer fernwandernden Fledermausart

15:45 bis 16:15 Uhr Pause

16:15 Uhr

Multivisionsvortrag: Naturschätze Thüringens

Wolfgang Hock
Naturfotografie Hock

17:00 Uhr

Schlusswort

Veranstalter

Landratsamt Ilm-Kreis
Ritterstraße 14
99310 Arnstadt
www.ilm-kreis.de

Partner

TU Ilmenau
Ehrenbergstraße 29
98693 Ilmenau
www.tu-ilmenau.de

TU Ilmenau
Röntgenbau
Weimarer Straße 27, 98693 Ilmenau

Anmeldung
Landratsamt Ilm-Kreis
Untere Naturschutzbehörde
Ritterstraße 14
99310 Arnstadt
Telefon: 03628 738-661
Fax: 03628 738-664
E-Mail: umweltamt@ilm-kreis.de

Die Anmeldung kann telefonisch oder E-Mail erfolgen.

Anmeldefrist
16.03.2025, 12 Uhr

Kosten
Die Veranstaltung ist kostenlos. Speisen und Getränke auf Selbstkostenbasis.

Wir bieten in diesem Jahr:
Mittagessen – Variante 1: Gemüsecurry mit Reis / Wildreis und Salatbeilage
Mittagessen – Variante II: Vegetarisch gefüllte Spitzpaprika, Saure-Sahne-Sauce, Couscous und Salatbeilage

Das Essen wird von Maria Streitferdt von der Keferküche bereitgestellt. Frau Streitferd kocht und backt ausschließlich mit Lebensmittel in Bio-Qualität und die Gerichte unter dem Aspekt des Klimaschutzes und mit saisonal verfügbarem Gemüse gestaltet. Die Küche ist öko- und unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit zertifiziert. Bei der Auswahl der Lebensmittel verwende ich möglichst regionale Produkte.

Die Verpflegung kostet 12 Euro und sind beim Einlass der Veranstaltung zu bezahlen. Das Essen muss verbindlich bestellt werden.

Datenschutzhinweis
Merkblatt zur Erhebung von personenbezogenen Daten bei Teilnahme an Tagungen und Veranstaltungen des Umweltamtes: www.ilm-kreis.de/Ämter/Umweltamt/Downloads (unter Punkt „Sonstiges“)

Mit den Schülerinnen und Schülern einer 1. Klasse aus Stadtilm unternahm das Team des GUV gemeinsam eine Wanderung unternommen. Trotz kühler Temperaturen wurde den jungen Entdeckerinnen und Entdeckern die Begeisterung nicht genommen – mit großer Neugier wurde sich auf den Weg gemacht.

Die Wanderung ging von Griesheim nach Cottendorf. Bereits unterwegs wurden spielerisch viele Fragen rund um den Biber und seinen Lebensraum gestellt:

Warum werden vom Biber Dämme gebaut?
Wozu werden seine Burgen genutzt?
Was wird von ihm gefressen?
Und welche Bedeutung wird ihm für unsere Gewässer zugeschrieben?

In Cottendorf angekommen, wurde zunächst eine kleine Pause eingelegt und sich gestärkt. Anschließend wurden spannende Exponate aus dem Biberrucksack der Unteren Naturschutzbehörde des Ilm-Kreises präsentiert. Schädel, Fell, Holzstücke mit deutlichen Nagespuren und weiteres Anschauungsmaterial ließen das Wissen rund um den Biber anschaulich und greifbar werden.

Danach wurde gemeinsam auf Entdeckungstour gegangen. Es gab viel zu sehen: Mehrere Biberburgen, große und kleinere Dämme sowie zahlreiche gefällte Bäume konnten entdeckt werden, durch die die Aktivität der Tiere eindrucksvoll belegt wurde.

Im letzten Schnee konnten sogar Trittsiegel von großen und kleinen Bibern entdeckt werden – ein besonderes Highlight für die Kinder.

Es war wieder ein schöner Tag mit interessierten und aufmerksamen jungen Entdeckerinnen und Entdeckern. Durch solche Erlebnisse wird gezeigt, wie wertvoll es ist, Kindern die Natur und unsere Gewässer unmittelbar näherzubringen.

Beitragsfoto: GUV 13

1570 Moorfrösche hat die untere Naturschutzbehörde des Ilm-Kreises gemeinsam mit der Natura-2000 Station „Auen, Moore, Feuchtgebiete“ in den vergangenen Tagen ausgewildert: an verschiedenen Stellen im Gehrener Feuchtgebiet, das durch seine Wiesen- und Teichlandschaft gute Lebens- und Laichbedingungen bietet, in der Hoffnung, dass sich die Bestände erholen.

Die stark gefährdete Froschart steht auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tierarten. Sie ist vor allem für ihre blaue Farbe bekannt, mit der Männchen in der Laichzeit die Weibchen zu imponieren versuchen. Das sind meist nur wenige Tage im Jahr, sonst sind sie eher unscheinbar und erinnern mit ihrer Zeichnung eher an Grasfrösche. „Nass brauchen sie es und da liegt der Hase im Pfeffer. Denn der Moorfrosch reagiert besonders stark auf Umweltveränderungen. Nicht umsonst wurde das nur 6 cm große Tierchen zur Amphibie des Jahres 2025 ausgerufen“, erklärt Andreas Mehm, Leiter der UNB des Ilm-Kreises, der sich auch persönlich an der Aufzucht der Frösche beteiligte.

Drei Monate lang hat er sich gemeinsam mit seiner Familie intensiv um den Froschlaich gekümmert, der sich vom Ei über die Quappe bis hin zum kleinen Frosch entwickelt hat. Eine aufwendige Angelegenheit, denn die Temperaturen in den Becken müssen passen. Entwickeln die Quappen ihre Gliedmaßen, müssen sie schnell in ein anderes Becken umgesetzt werden, in dem sie selbständig an Land gehen können, damit aus der Quappe tatsächlich ein Frosch werden kann. Sonst würden sie ertrinken.

Warum diese Mühe? „Die Zahl der Moorfrösche ist stark rückläufig. Lediglich in zwei Teichgebieten im Ilm-Kreis kamen sie bis vor kurzem noch vor. In diesem Jahr fand sich der entsprechende Froschlaich jedoch nur noch an den Sorger Teichen. Das ist alarmierend“, erklärt Andreas Mehm und verweist auf die anhaltende Trockenheit, die auch Auswirkungen auf die Moore, Nass- und Feuchtwiesen hat. „Wenn man so will, ist der Moorfrosch ein kleines Sensibelchen, denn er ist der erste, der auf die veränderten Bedingungen reagiert“, erklärt er. Fischfrei sollten die Gewässer sein, in denen die Moorfrösche laichen. In die Quere kommt den Moorfröschen dabei aber immer wieder auch der Blaubandbärbling. Der Fisch, der in etwa die Größe eines Moderlieschens hat, stammt aus Asien und ist inzwischen das ganze Jahr über auch in vielen Gewässern der Region aktiv. Das und sein großer Appetit sind der Tod für jeden Laichballen der Moorfrösche.

Gern legen die Frösche, die übrigens nicht quaken, sondern eher für blubbernde Geräusche bekannt sind, ihre Eier in bewachsenen Uferbereichen ab, die regelmäßig überflutet werden, aber auch in Tümpeln oder Uferbereichen flacher Seen. Bis zu 3.000 Eier können in einem Laichballen stecken.  

Was der Moorfrosch zum Überleben braucht, sind typische Lebensräume wie Moore, Auenlandschaften oder Kleingewässer, die aber immer häufiger durch Entwässerung, Austrocknung oder intensive Landnutzung verloren gehen.

Auf die Frage, was man selbst gegen die Austrocknung von Wiesenflächen tun kann, gibt Andreas Mehm eine ganz einfache Antwort: „Den Rasen im eigenen Garten seltener mähen. Eine Rasenhöhe von 8 bis 10 Zentimetern reicht auch. Boden und Kleinstlebewesen werden es danken. So hält sich Feuchtigkeit besser in den Flächen, was eine Austrocknung verhindert. Und mal ehrlich, was gibt es Schöneres als barfuß über eine Rasenfläche zu laufen, deren Morgentau nicht sofort verdunstet, wenn die Sonne etwas höhersteht?“

Am Sonntag, den 25. Mai 2025, fand die zweite Blühwiesenparty des Netzwerk Nachhaltiges Ilmenau von 14:00 bis 17:30 Uhr am Wiesenweg hinter dem Ilmenauer Friedhof statt. Trotz anfänglicher Wetterunsicherheiten entwickelte sich der Nachmittag zu einem lebendigen Treffpunkt für Naturfreunde und Umweltbegeisterte.

Ein besonderes Highlight war die Einweihung des neu aufgestellten Wildbienenhotels, das zuvor am ITZ Bund stand und nun seinen neuen Platz auf einer artenreichen Blühfläche neben der Benjeshecke gefunden hat. Kaum errichtet, wurde es bereits von zahlreichen Wildbienen bezogen – ein sichtbarer Erfolg für den Einsatz zum Schutz der Insektenvielfalt. So konnten Gäste vor Ort erfahren wie die Wildbienen Insektenhotels nutzen.

Gemeinsam mit Gästen wurden Dosen-Insektenhotels und Saatkugeln gebastelt – kleine Botschafter der Artenvielfalt zum Mitnehmen. Die Samen von regionalen Wildpflanzen für die Saatkugeln wurden erneut von der unteren Naturschutzbehörde gesponsert und die Erde auch diesmal von der Abteilung Stadtgrün Ilmenau bereitgestellt. Für das leibliche Wohl sorgten Kaffee, Tee und selbstgebackener Kuchen. Ein besonderer Genuss war der Honig von den umliegenden Wiesen, der den Geschmack der Natur direkt erlebbar machte.

Auch der Wissensdurst kam nicht zu kurz: Viele Besucher staunten über die Vielfalt der Wildbienen – in Deutschland gibt es fast 600 Arten, jede mit eigenen Vorlieben und Nestgewohnheiten. Im Gegensatz dazu gibt es hierzulande nur eine Honigbienenart. Diese Unterschiede und die Bedeutung der Bienen für unser Ökosystem waren zentrale Gesprächsthemen und auch die Notwendigkeit einer breiten Vielfalt an Pflanzen, um den Hunger der Insekten zu stillen, wurde erklärt.

Das Wetter hielt entgegen der Prognosen stand, und sowohl gezielt gekommene Gäste als auch zufällige Spaziergänger genossen den Nachmittag. Alle gingen mit neuen Eindrücken, selbstgebastelten Insektenhotels und einem Lächeln nach Hause. Ein herzliches Dankeschön an das Netzwerk Nachhaltiges Ilmenau, das diesen Nachmittag möglich gemacht hat.

Foto: Romana Rauch, Netzwerk Nachhaltiges Ilmenau

Weitere Veranstaltungen und Mitmachmöglichkeiten
Das Netzwerk Nachhaltiges Ilmenau (NeNa-Ilmenau) plant für dieses Jahr weitere Blühwiesenpartys sowie eine Blühwiesen-Fahrradtour. Diese Veranstaltungen bieten erneut die Möglichkeit, sich aktiv für den Erhalt der Artenvielfalt einzusetzen und mehr über die Bedeutung von Blühwiesen und Insektenschutz zu erfahren.

Wer Interesse hat, sich zu engagieren oder mehr über die aktuellen Projekte zu erfahren, ist herzlich eingeladen, Kontakt mit NeNa-Ilmenau aufzunehmen:


Gemeinsam können Ilmenau und der Ilm-Kreis noch bunter und lebenswerter gestaltet werden!

Grüner und bunter soll der Schulhof der Grundschule in Langewiesen werden. Der Plan dafür wird über das Programm „Naturschutz beginnt vor der Haustür – in kleinen Schritten zu einen bunten, lebenswerten Wohnumfeld“ der Stiftung Naturschutz Thüringen gefördert.

Der Förderverein der Kita und Grundschule Langewiesen e. V. hat den Antrag gestellt und eine Förderung erhalten.

Noch ist der Schulhof eine überschaubare, gepflasterte Fläche mit wenig Spielmöglichkeiten und ohne Schatten – das wird sich hoffentlich bald ändern.

Weitere Informationen:

Am 15.09.2024 hat das Netzwerk Nachhaltiges Ilmenau zur ersten Ilmenauer Blühwiesenparty im Blumenviertel beim Ilmenauer Friedhof eingeladen. Im Mittelpunkt der Party stand der Mikrokosmos Wiese, Artenvielfalt und was kleine und große Naturfreunde für unsere Mitwelt tun können. Gemeinsam wurden Samenbälle – ein Gemisch aus Blumensamen, Erde und Ton – geformt. Die Samen von regionalen Wildpflanzen wurden von der unteren Naturschutzbehörde gesponsert, die Erde wurden von der Abteilung Stadtgrün Ilmenau bereitgestellt und vom Grünen Büro kam der Ton.  Daneben gab es noch etliche Tipps zum Naturschutz und spannende Infos zum Lebensraum Wiese. Das Interesse der Partygäste war groß und daher soll es nicht die einzige Feier dieser Art bleiben. Wer mitmachen möchte, kann sich beim Netzwerk Nachhaltiges Ilmenau melden. Die Initiative vereint u. a. Engagierte vom ADFC, dem NABU Ilmkreis und der Zukunftswerkstatt, die gemeinsam ein lebenswertes Ilmenau gestalten wollen. Das noch junge Netzwerk hat noch keine eigene Internetseite – Kontaktaufnahme ist aber über Umweltkampagnen.de möglich.

Foto: Jack Georgius, Netzwerk Nachhaltiges Ilmenau

Nachdem der Stadt Ilmenau für ihre Anstrengungen auf dem Gebiet der ökologischen Pflege von öffentlichen Flächen 2019 das Label „StadtGrün naturnah“ in Silber verliehen wurde, steht in diesem Jahr die Rezertifizierung an.

„Parkanlagen, Grünzüge und Straßenbegleitgrün leisten einen wichtigen Beitrag zur Lebensqualität in unserer Stadt. Wenn bei der Gestaltung und Pflege des öffentlichen Grüns zudem ökologische Aspekte berücksichtigt werden, profitieren auch zahlreiche Tier- und Pflanzenarten“, schätzte die Abteilungsleiterin Friedhof, Forst und Umwelt Dunja Rose ein.

56 Kommunen wurden bundesweit bereits erfolgreich mit der Marke „StadtGrün naturnah“ zertifiziert – darunter befindet sich auch Ilmenau. Nach drei Jahren kann das Label auf Antrag neu verliehen werden. Ilmenau bekennt sich auch weiterhin zur Grünflächenstrategie, welche 2020 durch den Stadtrat beschlossen wurde.

Bei dem in diesem Jahr folgenden Rezertifizierungsprozess werden die Anstrengungen der Stadt einer Kontrolle unterzogen: Durch das Bündnis „Kommunen für biologische Vielfalt“ wird geprüft, welche Maßnahmen seit der Verleihung des Labels umgesetzt wurden und was sich gegenüber dem Bestand positiv oder negativ in Bezug auf eine naturnahe Grünflächenpflege entwickelt hat. Außerdem werden Maßnahmen abgefragt, die zukünftig umgesetzt werden sollen. Besteht die Stadt die Prüfkriterien erfolgreich, wird das Label erneut für weitere drei Jahre verliehen. „Kommunen sind Vorbilder für ihre Bürgerinnen und Bürger – ein gutes Zeichen und Motivation zugleich, die biologische Vielfalt auf kommunaler Ebene voranzutreiben“, sagte Dunja Rose.

Aktuell wurden vorhandene und neu angelegte Blühwiesen und Blühstreifen durch das Anbringen von Hinweisschildern sichtbar gemacht. Blumen dürfen auf einer naturnahen Wiese hochwachsen und blühen. Wird nicht gemäht, können sich Samen ausbilden und verteilen, Insektenlarven ihre Entwicklung abschließen und Vögel am Boden brüten.

Natürlich sehen abgeblühte Wiesen nicht ganz so „schön“ aus wie bunte Zierbeete – aber sie leisten einen wichtigen Beitrag für die heimische Artenvielfalt. Klar sollte sein, dass angesichts des dramatischen Rückgangs der Artenvielfalt mehr Natur zugelassen werden muss. „Die alten Ordnungsvorstellungen sind Relikte aus einer anderen Zeit. Die Natur braucht mehr ‚Unordnung‘, denn der Schutz unserer Umwelt ist auch Daseinsvorsorge“, so die Abteilungsleiterin.

Weitere Informationen:

Webseite „StadtGrün naturnah“ – Stadtgrün verbessern

Webseite der Stadt Ilmenau – Umwelt und Natur